GakGak? – das glückliche Zweinutzungshuhn!

Manche Dinge verselbständigen sich: mein letztes Beratungsprojekt im Bereich „nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung“ führte zu einem ausserordentlich positiven Kontakt zu einem der „ganz großen“ Cateringanbieter (wir bleiben anonym – es geht um die Sache). Das Unternehmen zeigt enorme Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit und Tierwohl. In dem Kontext wurde ich zu einer Besichtigung einer Landwirtschaft im Chiemgau eingeladen. Auf dem Betrieb werden Rassehühner und Weideschweine gezüchtet. Die (Direkt-)Vermarktung erfolgt nicht nur B2C – der Betrieb hat sich in der Vermarktung auch an die (hochwertige) Gemeinschaftsverpflegung gerichtet.

Was ist nun das Besondere an dem Hof? Allein in Deutschland werden täglich (!!) mehr als 100.000 männliche Eintagsküken geschreddert oder vergast – weltweit sind es fast 7 Millionen Küken. Auch Biozertifizierungen gestatten übrigens das Töten von männlichen Küken. Um das zu vermeiden, werden sogenannte Zweinutzungshühner gezüchtet – sowohl die Mädels als auch die Gockel werden groß gezogen und entsprechend genutzt (Eier- bzw. Fleischproduktion).

Die (männlichen) Tiere werden auf dem besichtigten Hof über 5 Monate (statt in Mast fünf Wochen) bis zur Schlachtung gehalten. Das langsame Wachstum führt zu einem viel kompakteren und intensiveren Fleisch, was wiederum die Köche zu einer neuen Herausforderung führt: „schnell mal braten“ ist schwierig – das Fleisch braucht Zeit zum Garen. In der Gemeinschaftsverpflegung ist das jedoch ein Vorteil: das Fleisch kann langsam über Nacht gegart werden.

Die zweite Besonderheit des Hofs: über die groß angelegte Koppel galoppierende Schweine in Familienhaltung – hätte es nicht so geregnet, hätte ich den Schweinen sicherlich gerne noch länger zugeschaut: sie schienen Spaß zu haben. (Der später verkostete geräucherte Schinken war übrigens butterweich.)

Es gibt mittlerweile eine Bewegung bei den Landwirten, die die Vermarktung in die Gemeinschaftsverpflegung von sich aus forciert – wäre das nicht super? Weg von der industriellen Lebensmittelverarbeitung ohne Rücksicht auf Verluste bei Qualität und Ethik – zurück zum Handwerk, in dem das Tier und der Rohstoff wertgeschätzt wird?

Liebe Auftraggeber, Betreiber von Betriebsrestaurants: lassen Sie uns den Weg gehen! Es lohnt sich! Für Sie, Ihre Mitarbeiter, die Umwelt und natürlich die Tiere!

Vegetarische Bolognese mit Zucchinispaghetti

Blick auf eine der Schweinekoppeln

Nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung in großen Betrieben? Aber wirklich!

(Facility Management – Ausgabe 05/2019)

Nach mehrjähriger Zusammenarbeit hat mich die Anfrage eines namhaften Bestandskunden sehr gefreut, das Ausschreibungsverfahren der Catering-Leistungen am Standort zu begleiten.

Der Standort im Landkreis München besteht aus mehreren Objekten und beherbergt etwa 2.000 MitarbeiterINNEN mit internationalem Anspruch.

Wie ich solche Projekte immer angehe: erstmal fragen, warum ausgeschrieben werden soll bzw. was das Projektziel ist. Schnell kam das übergeordnete Unternehmensziel an die Oberfläche: Verzicht auf den Einsatz von Einweg-Kunststoff in allen Unternehmensbereichen. Daraus abgeleitet wurden Ziele hinsichtlich Regionalität, Handwerk und ökologischer Aspekte – aber auch Schaffung eines Mehrwertes für die eigenen Mitarbeiter.

„Nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung in großen Betrieben? Aber wirklich!“ weiterlesen

FM-Know-How-Export

Gebäudemanagement für ukrainische Kommunen
(Der Facility Manager – Ausgabe 06/2016)

Deutschland ist bekanntermaßen eine Exportnation. Doch das gilt nicht mehr nur für Industriegüter. In einem Projekt der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wurde nun FM-Know-How zur Exportware.

Als weltweit tätiger Dienstleister hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH bereits mehr als 50 Jahre Erfahrung für nachhaltige Entwicklung. Diese reicht von Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung über Förderung von Frieden und Sicherheit bis hin zu Energie- und Umweltthemen. Dabei ist seit einiger Zeit das Thema Energie insbesondere in der Ukraine sehr stark gefragt – einem Land, dessen Pro-Kopf-Energieverbrauch zu den weltweit höchsten gehört. Inflation und erhebliche Preissteigerungen führen zu einem massiven Kostendruck, der vor allem auf den Trägern der Immobilie lastet. Die GIZ setzt deshalb im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein Projekt um, welches ukrainische Kommunen bei der effizienteren Nutzung von Energie unterstützt. Hierzu hat die GIZ Kooperationen mit Verwaltungsbezirken – sogenannten Oblasten – und Kommunen geschlossen: die öffentlichen Institutionen entsenden dabei Immobilienmanager zur technischen Weiterbildung durch die GIZ. Mit der von deutscher Seite durchgeführten Schulung gehen die Immobilienmanager die Verpflichtung ein, das erworbene Wissen in ihre Kommunen weiterzutragen und zu streuen, um so mittelfristig zu einer Professionalisierung und Reduzierung des Ressourcenverbrauchs beizutragen. Zur Unterstützung bei der Ausbildungsreihe „Energieeffizientes Gebäudemanagement“ wurde Bianca Schwindl hinzugezogen, die freiberuflich als Beraterin und Trainerin im Facility Management tätig ist.

„FM-Know-How-Export“ weiterlesen

Dem FM gehen die Allrounder verloren

Brennpunkt Aus- und Weiterbildung
(Facility Management – Ausgabe 06/2015, in gemeinsamer Entwicklung mit TÜV SÜD Akademie GmbH, Christian Maier)

Die wachsende Nachfrage nach qualifizierten Facility Services und ein immer komplexeres Berufsbild verstärken den Fachkräftemangel in der Branche. Zugleich geht durch den Fokus auf Technik und IT wichtiges Breitenwissen verloren. Wo kaufmännische und infrastrukturelle Facility Services bei der Aus- und Weiterbildung zu kurz kommen, kostet das den Auftraggeber oft Zeit und Geld.

Viele FM-Anbieter erweitern ihr Produkt- und Leistungsportfolio durch den Zukauf spezialisierter kleiner und mittlerer Unternehmen. Zugleich müssen FM-Anbieter – aber auch FM-Abteilungen in Unternehmen – auf neue Anforderungen reagieren, die eine veränderte Gesetzeslage oder technische Neuerungen mit sich bringen können. Beispiele hierfür sind die aktuell novellierte Betriebssicherheitsverordnung oder Trends wie Big Data, Smart Buildings, Computer Aided Facility Management (CAFM) oder Building Information Modeling (BIM). All das erfordert immer neue Kenntnisse von Facility Managern, die ohnehin schon Multitalente sind und das auch bleiben müssen.

„Dem FM gehen die Allrounder verloren“ weiterlesen

Im Interview mit Bianca Schwindl

(Facility Management – Ausgabe 06/2015)

FM: Gibt es zu viele Spezialisten und zu wenig Generalisten im FM? Und woran liegt das?

bS: Ja, das würde ich nach 15 Jahren Erfahrung in der Branche schon sagen. Als Interim Expert, Beratung und Referentin habe ich mit unterschiedlichsten Menschen zu tun. Bei einem Großteil davon handelt es sich um Spezialisten, die einen eindeutigen Themenschwerpunkt haben. Die meisten Facility Manager sind Quereintseiger, meist noch mit spezialisierenden Weiterbildungen. Zu selten wird vor allem auf Team- und Objektleiterebene der „Blick von oben“ geschult. Viele tauchen auch da in Details ab, wo das nicht erforderlich oder sinnvoll ist. 

FM: Wie lässt sich der „Blick von oben“ Ihrer Meinung nach schulen?

bS: Meist reicht es, wenn ich bei den Seminaren anhand von Beispielen auf Besonderheiten bspw. Aus dem kaufmännischen oder infrastrukturellen FM eingehe. Die Teilnehmer sehen dann, welche Bedeutung das eigentlich für sie hat und legen ihre Scheuklappen ab. Wichtig ist mir die unternehmerische Sicht der Dinge. Da gibt es regelmäßig positives Feedback, wenn die Absolventen das Gelernte auch in ihre Betriebe tragen.

FM: Sehen Sie bestimmte Vorteile der GEFMA-Ausbildung zum Fachwirt Facility Management im Vergleich zu anderen?

bS: die Ausbildung zum Fachwirt Facility Management (GEFMA) ist sehr umfassend und praxisnah. In einigen Studiengängen geht der Trend dahin, eher strategische Manager auf Prozessebene auszubilden. Das ist grundsätzlich positiv. In der berufsbegleitenden Ausbildung werden die Teilnehmer allerdings von Beginn an darauf sensibilisiert, sowohl langfristig zu planen als auch das Tagesgeschäft im Blick zu behalten. Das ist wichtig, weil viele FM-Unternehmen zwar einen integrativen Ansatz propagieren, dann aber Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung haben.