Betrieblicher Brandschutz

Brandschutzhelfer, Brandschutzbeauftragter, Evakuierungshelfer,… WHAT?

Es wird Zeit. – Zeit, etwas Klarheit zu schaffen. Bedingt durch das undurchsichtige Dickicht des Föderalismus und mehreren zusätzlicher Quellen, hat schon manch einer die Suche nach eindeutigen Vorgaben im Bereich betrieblicher Brandschutz aufgegeben.

Welche Betriebsbeauftragten in Sachen Brandschutz braucht also ein Unternehmen?

Erstmal Grundlagen schaffen: Das Gesetz steht über (fast) allem!

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG – „Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit“) verpflichtet den Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber hat entsprechend der Art der Arbeitsstätte und der Tätigkeiten sowie der Zahl der Beschäftigten die Maßnahmen zu treffen, die zur (…), Brandbekämpfung und Evakuierung der Beschäftigten erforderlich sind. Dabei hat er der Anwesenheit anderer Personen Rechnung zu tragen. Er hat auch dafür zu sorgen, dass im Notfall die erforderlichen Verbindungen zu außerbetrieblichen Stellen, insbesondere in den Bereichen (…) der Brandbekämpfung eingerichtet sind.

Der Arbeitgeber hat diejenigen Beschäftigten zu benennen, die Aufgaben der (…) Brandbekämpfung und Evakuierung der Beschäftigten übernehmen. Anzahl, Ausbildung und Ausrüstung der (…) benannten Beschäftigten müssen in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Beschäftigten und zu den bestehenden besonderen Gefahren stehen. (…)

D.h. der Arbeitgeber ist verpflichtet, etwas in Sachen Brandschutzorganisation zu unternehmen – aber was heißt das konkret?

Brandschutzhelfer, Evakuierungshelfer und Selbsthilfekräfte

In der Anforderung des ArbSchG steckt, dass grundsätzlich – erstmal unabhängig von der Art und Größe des Unternehmens – Brandschutzhelfer zu benennen sind. Gemäß der konkretisierenden Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.2 (Kapitel 7.3) sollten das (mindestens) 5% der Belegschaft sein, die u.a. in den Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen vertraut gemacht wurden – bei entsprechender Bewertung auch mal mehr. Dies umfasst auch eine praktische Schulung – d.h. die tatsächliche Anwendung eines Feuerlöschers. Und weil man ja auch mal etwas vergessen kann, ist die Schulung alle drei bis fünf Jahre zu wiederholen.

Viele Unternehmen weiten die Schulung aus: statt nur die Anforderungen der ASR A2.2 zu erfüllen, werden die Brandschutzhelfer auch gleich zum Evakuierungshelfer auf Basis eines Evakuierungskonzeptes ausgebildet. Sinnvoll? Absolut! Das erfüllt nämlich die weiteren Anforderungen des ArbSchG – da heißt es schließlich auch, dass der Arbeitgeber Beschäftigte zu benennen hat, die Aufgaben zur Evakuierung übernehmen.

grafische Darstellung Einteilung Evakuierungshelfer

Übrigens: je nach Gebäudeart können weiterführende Anforderungen in der Baugenehmigung (v.a. im Brandschutznachweis), aber auch in den Sonderbaurichtlinien stehen. Beispielsweise in Versammlungs- oder Verkaufsstätten, in letzteren ist dabei von „Selbsthilfekräften“ die Rede. In Beherbergungsstätten ist das Personal darüber hinaus auch auf die Rettung von Menschen mit Behinderung zu belehren.

Brandschutzbeauftragter

Wie schnell ist es dahin gesagt: „ich bin Brandschutzbeauftragter!“ – Aber: wann braucht ein Unternehmen einen Brandschutzbeauftragten? Und vor allem: was muss er können?

Grundsätzlich gibt es drei Voraussetzungen, aus der sich die Erfordernis eines Brandschutzbeauftragten ergeben:

1. Wenn über die Gefährdungsbeurteilung vom Unternehmer eine erhöhte Brandgefährdung ermittelt wird, kann die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten eine (organisatorische) Maßnahme sein.

2. Der Gebäudesachversicherer kann – ebenfalls aufgrund der erhöhten Risikoeinschätzung – einen Brandschutzbeauftragten fordern.

3. Die Forderung steht in der Baugenehmigung (Brandschutznachweis) oder in einer zugrundeliegenden Sonderbaurichtlinie (v.a. Hochhäuser, Verkaufsstätten, Industriebau,…).

Das ArbSchG gibt hinsichtlich der Qualifizierung des Brandschutzbeauftragten nichts praxisnahes her – aber dafür die DGUV Information 205-003 sowie die VdS-Richtlinie 3111. Hier sind sowohl die Aufgaben des Brandschutzbeauftragten als auch die Anforderungen an die Qualifizierung benannt. Die beiden Regelwerke sind diesbezüglich nahezu gleichlautend. Die Ausbildung umfasst mindestens 64 Unterrichtseinheiten und resultiert in eine Prüfung. In der Regel erfolgt die Ausbildung nach vfdb-Richtlinie 12/09-01. Zusätzlich gibt es zwischenzeitlich ein Aufbaumodul nach dem europäischen CFPA-Standard – dies ist für alle Brandschutzbeauftragten relevant, die auch auf europäischer europäischer Ebene tätig sind.

Der Brandschutzbeauftragte hat sich laufend fortzubilden – hierzu werden 16 Unterrichtseinheiten innerhalb von drei Jahren als angemessen angesehen. Auch diese Fortbildung sollte vom vfdb anerkannt sein.

Der Brandschutzbeauftragte gilt als Berater des Unternehmers und verfügt rein rechtlich über keinerlei Weisungsbefugnis – außer der Unternehmer ermächtigt ihn schriftlich hierzu. Apropos „schriftlich“: der Brandschutzbeauftragte ist als Betriebsbeauftragter natürlich schriftlich vom Unternehmer zu bestellen (Beispiel siehe Abbildung unten rechts).

Anders als bei der Fachkraft für Arbeitssicherheit gibt es beim Brandschutzbeauftragten keinen allgemeingültigen Zeitansatz, wie viele Stunden pro Monat oder Jahr erforderlich sind. Dieser Zeitansatz ist grundsätzlich abhängig von der Art der Organisation, Anzahl der Nutzer, Art und Komplexität des Gebäudes und natürlich der Brandgefährdung. Also viele Faktoren, die eine übergreifende Definition nahezu ausschließen.

Praxistipp: man nehme die Aufgaben des Brandschutzbeauftragten gemäß der o.g. Regelwerke und schätze den dazugehörigen Aufwand ab (siehe Abbildung unten links). Und wie immer: Wirkungskontrolle nicht vergessen – also: prüfen, ob der Zeitansatz ausreicht und ggf. nachsteuern.

(Übrigens: es reicht nicht, einfach jemanden als Brandschutzbeauftragten zu bestellen – dem Beauftragten muss auch ausreichend Zeit eingeräumt werden, um die Aufgabe gut und richtig zu erfüllen.)

Wer macht´s?

Die Brandschutzhelfer sollten natürlich vor Ort sein – d.h. Mitarbeitende des Betriebes, eingebunden in die Prozesse. Das ArbSchG sieht dabei vor: „Die Beschäftigten sind verpflichtet, nach ihren Möglichkeiten sowie gemäß der Unterweisung und Weisung des Arbeitgebers für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Sorge zu tragen“ – d.h. sind Mitarbeitende geeignet, ist es möglich, sie als Brandschutzhelfer zu bestellen – auch ohne Änderung des Arbeitsvertrages oder der Stellenbeschreibung.

Der Brandschutzbeauftragte dagegen kann sowohl intern als auch extern bestellt werden und muss in der Regel auch nicht ständig vor Ort sein.

Was kann bS-beratung tun?

bS-beratung schafft als Facility Management Beratung und Fachplanung für Vorbeugenden Brandschutz Klarheit und Grundlagen – beispielsweise durch eine Überprüfung der Brandschutzorganisation und des baulichen und technischen Brandschutzes, durch Konzeptionierung einer Brandschutz- und Evakuierungsorganisation oder auch durch die Erstellung eines Brandschutzkonzeptes als Basis einer Baugenehmigung (bei Bedarf unter Würdigung des Bestandes).

Mit dem Seminar „Brandschutz im Facility Management“ können sich sowohl Facility Manager als auch Brandschutzbeauftragte fortbilden – die Veranstaltung wurde vom vfdb als Fortbildung für Brandschutzbeauftragte anerkannt!

Die Ausbildung der Brandschutzhelfer sowie die Gestellung des Brandschutzbeauftragten erfolgt mit meinem Kooperationspartner sp-safety (www.sp-safety.de – Arbeitssicherheit und Brandschutz).

Sprechen Sie mich gerne an!

Raus aus dem Blindflug – rein in die aktive Steuerung der Risiken!

bS ist jetzt auch Risk Manager – warum das denn?

Von viel Wind und Wasser

Risiken. Ein Wort – schnell dahingesagt. Wenn man sich die Definitionen anschaut: ganz so trivial ist es nicht. Und vor allem: nicht statisch. Die Perspektive ändert sich.

Gehen wir in der Zeit mal zurück – genauer: auf den 10. September 2001. Hätte es damals jemand von uns für möglich gehalten, dass genau einen Tag später Terroristen Flugzeuge in ein Hochhaus steuern und die Welt sich völlig ändern wird?

Oder 2007/2008: die Finanzkrise hat viele Unternehmen in den Abgrund stürzen lassen. Langfristig vorhersehbar?

Gehen wir weiter in der Zeit: 2009 oder auch andere Jahre – Hochwasser beschäftigen Deutschland. Ja – sogar Jahrhunderthochwasser. Nie dagewesene Pegelstände werden erreicht!

2015 erschüttert ein Tornado einen kleinen Ort – nein, nicht in Florida: im schwäbischen Affing.

Die Liste lässt sich beliebig weiterführen: Szenarien, die aus der Feder von Marc Elsberg zu stammen scheinen. Szenarien, die – wenn man vorher auf die eventuelle Möglichkeit des künftigen Eintretens hingewiesen hat – zu einem müden Abwinken geführt haben, begleitet vom Gedanken „Panikmache!“.

Ja – und jetzt: Sars-Cov2.

Corona hat vieles in den Schatten gestellt – glücklicherweise bin ich (bislang) nur Beobachter: weder gesundheitlich noch wirtschaftlich betroffen – lediglich die Motorradtour nach Südfrankreich muss warten. Aber man macht sich Gedanken und beobachtet die Maßnahmen, die bei Kunden, Geschäftspartnern, in Hotels, etc. getroffen werden. Stellenweise mutet es wie ein Akt der Hilflosigkeit an – „Hauptsache, wir tun überhaupt irgendwas!“

Hätte man das vorher wissen können?

Als Beobachter stelle ich mir immer wieder diese Frage.

Vermutlich ja! Hätte man sich auf eine Naturkatastrophe (Sturm,…) vorbereiten können? Vermutlich ebenso – selbst ohne Methodik waren solche Szenarien stets im Hinterkopf! Aber „das trifft UNS doch nicht!“

Diese Erkenntnisse und der direkte Bezug zum Facility Management in einigen der zu treffende Maßnahmen haben mich zur Ausbildung zum Risk Manager gebracht: es ist doch besser, auf Risiken vorbereitet zu sein, als „Pflaster zu kleben“, wenn man schon gestolpert ist.

Nun also Risk Management!

Tatsächlich: es gibt Möglichkeiten, unternehmens- / standortkritischen Risiken methodisch zu erfassen. Selbst solche, die weder auf Checklisten stehen – die uns auch intuitiv nicht einfallen würden. Diese Methoden machen sich u.a. Statistik, Stochastik & Co., aber auch die Kreativität der Experten zu Hilfe. Über die allseits bekannte Risk Map hinaus, die lediglich eine zweidimensionale, oftmals qualitative (intuitive?) Bewertung etwaiger Risiken vornimmt.

Aber: welche Risiken sind für mich überhaupt relevant? Und: sind die relevanten Risiken überhaupt unternehmenskritisch? Wenn ein Sturm ein Dach abdeckt – ist das kritisch? Oder „nur“ teuer? Wie sieht es mit dem Image aus? In wie weit könnte das (negativ?) beeinflusst werden? Auch durch Shitstorms, die nicht zwingend durch objektive Fakten ausgelöst werden.

Auf eine zukünftige Pandemie könnten wir (hoffentlich!) schneller und besser reagieren – aber auch auf andere Risiken? Was sind die Frühwarnindikatoren für eintretende Risiken?

Das chinesische Schriftzeichen für Krise bedeutet auch Chance!

Zu einem Risiko (im negativen Sinne) gehören freilich auch Chancen (im positiven Sinne). Vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels und von Social Media können auch „weiche“ Faktoren zu massiven Störungen führen. Steuert man gegen, können sich positive Effekte ergeben, die die Planungen übertreffen.

Beispiel Standortwahl: je nach Lage des künftigen Gebäudes ist das Unternehmen präsenter – besser sichtbar für die potentiellen Bewerber, besser angebunden an öffentlichen Personennahverkehr, mehr Parkplätze, etc. Hier wird ein positiver Effekt erwartet, was die Personalsituation betrifft.

Pflicht für Unternehmen!

Sowohl das Handelsgesetzbuch als auch das Aktiengesetz verpflichten den Unternehmer, ein Risikomanagementsystem zu implementieren, zu leben und die Wirksamkeit zu prüfen. Ab 2021 gibt es auch die Vorgabe, Risiken zu aggregieren – d.h. die maximal mögliche Auswirkung zu betrachten: das bedeutet, dass Risiken nicht qualitativ (hoch/mittel/niedrig), sondern quantitativ (z.B. in Euro) zu bewerten sind. Da ein reines Multiplizieren der Werte ein verfälschtes Ergebnis wiedergeben würden, sind hier auch wieder Methoden gefragt. Klingt kompliziert, aber lösbar. Und auch spannend!

Commerzbank-Arena Frankfurt: Ausschreibungskonzept mit attraktiven Anreizen

(veröffentlicht im Fachmagazin „Der Facility Manager“ Heft 3 / Ausgabe März 2020)

Umfassende Veränderungen in der Betriebsorganisation der Commerzbank Arena in Frankfurt machten eine neue Konzeption und Ausschreibung der technischen Facility Services erforderlich. Trotz der Restriktionen einer EU-weiten öffentlichen Ausschreibung ist ein Modell entstanden, das neben Malus-Regelungen gute Leistungen und personelle Stabilität beim Dienstleister mit attraktiven Boni honoriert.

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„Jedes Bundesland ist anders geregelt“ – Übersicht der technischen Prüfverordnungen in Deutschland

In meinen Seminaren und auch in der Projektbearbeitung ist eine deutliche Verunsicherung hinsichtlich der Wiederkehrenden Prüfungen zu spüren. Ist eine sicherheitstechnische Anlage im Sonderbau baurechtlich – also in der Baugenehmigung oder im Brandschutznachweis – gefordert, so besteht Prüfpflicht gemäß der jeweils gültigen technischen Prüfverordnung. Jedes Bundesland hat – außer Baden-Württemberg – eine eigene Technische Prüfverordnung. Im Rahmen der Prüfungen soll die „Betriebssicherheit und Wirksamkeit“ der sicherheitstechnischen Anlagen gemäß der Schutzziele des Baurechts geprüft und bestätigt werden.

bS-beratung hat die Anforderungen in einer Übersicht zum Download zusammengestellt.

Hinweis: bitte berücksichtigen Sie, dass diese Informationen den Verordnungen entnommen wurden – es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Die Unterlage dient lediglich der informativen Übersicht. Die kommerzielle Verwendung oder das Kopieren – auch auszugsweise – bedarf der Freigabe der Autorin.

GakGak? – das glückliche Zweinutzungshuhn!

Manche Dinge verselbständigen sich: mein letztes Beratungsprojekt im Bereich „nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung“ führte zu einem ausserordentlich positiven Kontakt zu einem der „ganz großen“ Cateringanbieter (wir bleiben anonym – es geht um die Sache). Das Unternehmen zeigt enorme Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit und Tierwohl. In dem Kontext wurde ich zu einer Besichtigung einer Landwirtschaft im Chiemgau eingeladen. Auf dem Betrieb werden Rassehühner und Weideschweine gezüchtet. Die (Direkt-)Vermarktung erfolgt nicht nur B2C – der Betrieb hat sich in der Vermarktung auch an die (hochwertige) Gemeinschaftsverpflegung gerichtet.

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Nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung in großen Betrieben? Aber wirklich!

(Facility Management – Ausgabe 05/2019)

Nach mehrjähriger Zusammenarbeit hat mich die Anfrage eines namhaften Bestandskunden sehr gefreut, das Ausschreibungsverfahren der Catering-Leistungen am Standort zu begleiten.

Der Standort im Landkreis München besteht aus mehreren Objekten und beherbergt etwa 2.000 MitarbeiterINNEN mit internationalem Anspruch.

Wie ich solche Projekte immer angehe: erstmal fragen, warum ausgeschrieben werden soll bzw. was das Projektziel ist. Schnell kam das übergeordnete Unternehmensziel an die Oberfläche: Verzicht auf den Einsatz von Einweg-Kunststoff in allen Unternehmensbereichen. Daraus abgeleitet wurden Ziele hinsichtlich Regionalität, Handwerk und ökologischer Aspekte – aber auch Schaffung eines Mehrwertes für die eigenen Mitarbeiter.

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FM-Know-How-Export

Gebäudemanagement für ukrainische Kommunen
(Der Facility Manager – Ausgabe 06/2016)

Deutschland ist bekanntermaßen eine Exportnation. Doch das gilt nicht mehr nur für Industriegüter. In einem Projekt der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wurde nun FM-Know-How zur Exportware.

Als weltweit tätiger Dienstleister hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH bereits mehr als 50 Jahre Erfahrung für nachhaltige Entwicklung. Diese reicht von Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung über Förderung von Frieden und Sicherheit bis hin zu Energie- und Umweltthemen. Dabei ist seit einiger Zeit das Thema Energie insbesondere in der Ukraine sehr stark gefragt – einem Land, dessen Pro-Kopf-Energieverbrauch zu den weltweit höchsten gehört. Inflation und erhebliche Preissteigerungen führen zu einem massiven Kostendruck, der vor allem auf den Trägern der Immobilie lastet. Die GIZ setzt deshalb im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein Projekt um, welches ukrainische Kommunen bei der effizienteren Nutzung von Energie unterstützt. Hierzu hat die GIZ Kooperationen mit Verwaltungsbezirken – sogenannten Oblasten – und Kommunen geschlossen: die öffentlichen Institutionen entsenden dabei Immobilienmanager zur technischen Weiterbildung durch die GIZ. Mit der von deutscher Seite durchgeführten Schulung gehen die Immobilienmanager die Verpflichtung ein, das erworbene Wissen in ihre Kommunen weiterzutragen und zu streuen, um so mittelfristig zu einer Professionalisierung und Reduzierung des Ressourcenverbrauchs beizutragen. Zur Unterstützung bei der Ausbildungsreihe „Energieeffizientes Gebäudemanagement“ wurde Bianca Schwindl hinzugezogen, die freiberuflich als Beraterin und Trainerin im Facility Management tätig ist.

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Dem FM gehen die Allrounder verloren

Brennpunkt Aus- und Weiterbildung
(Facility Management – Ausgabe 06/2015, in gemeinsamer Entwicklung mit TÜV SÜD Akademie GmbH, Christian Maier)

Die wachsende Nachfrage nach qualifizierten Facility Services und ein immer komplexeres Berufsbild verstärken den Fachkräftemangel in der Branche. Zugleich geht durch den Fokus auf Technik und IT wichtiges Breitenwissen verloren. Wo kaufmännische und infrastrukturelle Facility Services bei der Aus- und Weiterbildung zu kurz kommen, kostet das den Auftraggeber oft Zeit und Geld.

Viele FM-Anbieter erweitern ihr Produkt- und Leistungsportfolio durch den Zukauf spezialisierter kleiner und mittlerer Unternehmen. Zugleich müssen FM-Anbieter – aber auch FM-Abteilungen in Unternehmen – auf neue Anforderungen reagieren, die eine veränderte Gesetzeslage oder technische Neuerungen mit sich bringen können. Beispiele hierfür sind die aktuell novellierte Betriebssicherheitsverordnung oder Trends wie Big Data, Smart Buildings, Computer Aided Facility Management (CAFM) oder Building Information Modeling (BIM). All das erfordert immer neue Kenntnisse von Facility Managern, die ohnehin schon Multitalente sind und das auch bleiben müssen.

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Im Interview mit Bianca Schwindl

(Facility Management – Ausgabe 06/2015)

FM: Gibt es zu viele Spezialisten und zu wenig Generalisten im FM? Und woran liegt das?

bS: Ja, das würde ich nach 15 Jahren Erfahrung in der Branche schon sagen. Als Interim Expert, Beratung und Referentin habe ich mit unterschiedlichsten Menschen zu tun. Bei einem Großteil davon handelt es sich um Spezialisten, die einen eindeutigen Themenschwerpunkt haben. Die meisten Facility Manager sind Quereintseiger, meist noch mit spezialisierenden Weiterbildungen. Zu selten wird vor allem auf Team- und Objektleiterebene der „Blick von oben“ geschult. Viele tauchen auch da in Details ab, wo das nicht erforderlich oder sinnvoll ist. 

FM: Wie lässt sich der „Blick von oben“ Ihrer Meinung nach schulen?

bS: Meist reicht es, wenn ich bei den Seminaren anhand von Beispielen auf Besonderheiten bspw. Aus dem kaufmännischen oder infrastrukturellen FM eingehe. Die Teilnehmer sehen dann, welche Bedeutung das eigentlich für sie hat und legen ihre Scheuklappen ab. Wichtig ist mir die unternehmerische Sicht der Dinge. Da gibt es regelmäßig positives Feedback, wenn die Absolventen das Gelernte auch in ihre Betriebe tragen.

FM: Sehen Sie bestimmte Vorteile der GEFMA-Ausbildung zum Fachwirt Facility Management im Vergleich zu anderen?

bS: die Ausbildung zum Fachwirt Facility Management (GEFMA) ist sehr umfassend und praxisnah. In einigen Studiengängen geht der Trend dahin, eher strategische Manager auf Prozessebene auszubilden. Das ist grundsätzlich positiv. In der berufsbegleitenden Ausbildung werden die Teilnehmer allerdings von Beginn an darauf sensibilisiert, sowohl langfristig zu planen als auch das Tagesgeschäft im Blick zu behalten. Das ist wichtig, weil viele FM-Unternehmen zwar einen integrativen Ansatz propagieren, dann aber Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung haben.